Blick auf 40 Jahre Vereinsgeschichte – Nr. 4

Blick auf 40 Jahre Vereinsgeschichte – Nr. 4

Von Anfang an dabei und nie wirklich fort gewesen – Siggi Russ


Siegfried alias Siggi Russ gilt zurecht als ein Schmitzhofer Urgestein. Gründungsmitglied, Sportwart, zweifacher NRW-Meister mit den Jungsenioren und zweifacher Seniorenclubmeister, Captain der Mittwoch-Golfer auf Lebenszeit, erfolgreicher Talentscout – kaum ein Titel, den der kompakte Spieler mit dem welligen Haar ausließ.
Schmunzelnd denkt er an den Beginn seiner Golfleidenschaft zurück, die jedoch keine Liebe auf den ersten Blick war. Lassen wir ihn selbst erzählen:

„Wie ich, Siggi Russ, zum Golfen kam …
Im Herbst 1974 klingelte eines Tages Helmut Schmitz senior an meiner Tür und sagte: „Siggi, komm, ich hab Golfbälle und Schläger bei mir; lass uns mal auf dem Sportplatz in Myhl Bälle schlagen.“
Wir hatten beide keine Ahnung, was Stand, Griff, Schwungbewegung usw. anlangte, entsprechend natürlich die Trefferausbeute. Nachdem ich so bei 30 – 35 Versuchen an die 25-mal vorbeigeschlagen hatte, sagte ich: „Helmut, tut mir leid, das ist nichts für mich!“
Zwei Wochen später stand Helmut Schmitz abermals vor meiner Tür und … ich traute meinen Augen nicht … Auf der Einfahrt stand ein Trolley mit Golfbag und –schlägern und Helmut sagte: „Das Golfset gehört Dir! Ich brauche Dich als Sportwart (ich studierte die Fächer Mathe, Englisch und Sport auf Lehramt). Du musst mitmachen!“
Noch konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mal Golf zu spielen, denn ich war durch und durch Fußballer und auch Amateurauswahlspieler Mittelrhein/Oberliga Schleswig Holstein beim Heider SV.
Ich fühlte mich plötzlich verpflichtet mitzumachen, was ich dann auch tat. Doch wenig später hatte mich der „Golfbazillus“ gepackt …“
… Und er ließ ihn nicht mehr los… Siggi wurde zu einer festen Größe am Schmitzhof. Da traf es seine Anhänger bitter, als er nach 23 Jahren Vereinszugehörigkeit dem Ruf des Golfclubs Rothenbach folgte, dort als Sportwart zu fungieren. Seine fünfjährige Phase der „Untreue“, in der er den Rothenbach und später den Goflclub Wildenrath mit seiner Technik von der alten Schule, seinem Kampfgeist und seinen kommunikativen Fähigkeiten verstärkte, haben ihm die Schmitzhofer jedoch längst verziehen. Kehrte Siggi doch 2003 reumütig zurück und gestand, dass sein Club „eigentlich nur der Schmitzhof sein konnte!“
Im Herzen ist Siggi halt immer einer von uns geblieben.

So sah unsere Golfanlage früher aus

So sah unsere Golfanlage früher aus

So sah unsere Golfanlage früher aus:
Die „Armut“ der Gründerjahre
 Das erste Clubhaus am Schmitzhof :
Die Lockerheit der Gründerjahre

Die Lockerheit der Gründerjahre

Blick auf 40 Jahre Vereinsgeschichte – Nr. 3

Trotz der bereits dargestellten Härten in den Anfangsjahren unserer Vereinsgeschichte fasst Heinz Rahmen in seiner Chronik den Zeitraum bis 1977 als „eine fröhliche, unbeschwerte Zeit“ zusammen. Geselligkeit und ein freundschaftliches Miteinander scheinen damals wichtiger gewesen zu sein als sportlicher Ehrgeiz. Schon nach ein oder zwei Trainerstunden durfte man an den Clubturnieren teilnehmen und erst ganz allmählich fanden die Golf-Regeln und die Golfetikette Eingang in den Spielbetrieb.


Spaß ging in diesen Jahren wohl vor Leistungsdenken; darauf deuten auch die Spielregeln der „sogenannten „Whiskey-Turniere“ hin. Hierbei konnte man seine Schlagzahl nach dem Einputten durch das Leeren von mit Whiskey gefüllten Gläschen – Apfelkorn bei den Damen – „heruntertrinken“. Großer Beliebtheit erfreuten sich ebenfalls die „Jux-Turniere“, bei denen man von den Abschlägen aus andere als die eigentlich dazugehörigen Grüns anspielen oder in einen im Bunker eingegrabenen Eimer einlochen musste.
Ebenso unbekümmert wie mit dem Regelwerk gingen die Schmitzhofer mit ihren chronischen finanziellen Engpässen um. Man rechnete einfach fest mit einem steten Zustrom neuer Mitglieder und dies nicht nur als „Golf-“, sondern auch als „Land“-Club mit erweiterten sportlichen Möglichkeiten. Daher legte man 1975 dort, wo heute das Putting-Grün ist, zwei Tennisplätze an und vergrößerte den einen sogar um eine gepflasterte Fläche, auf der Scharen von Zuschauern Platz finden sollten. Auch führte man die ein oder andere feucht-fröhliche Werbeveranstaltung zur Rekrutierung neuer Mitglieder durch. Gleichermaßen entsprang der Umbau des ehemaligen Scheunengebäudes zu einem Clubhaus, der 1976 erfolgte, dem Wunsch nach einer stärkeren Außenwirkung und weniger den realen pekuniären Möglichkeiten.


Von ca. 25 Mitgliedern am Ende des Jahres 1975 stieg die Zahl der Schmitzhofer bis Ende 1976 auf 47 Erwachsene plus Kinder und Jugendliche an. Dies lag weit unter den erwarteten und finanziell eingeplanten 130 voll beitragspflichtigen Personen. Eine gute Portion rheinischer Gelassenheit wird dabei geholfen haben, mit dieser Tatsache zurecht zu kommen. 1977 steigerte sich denn auch die Zahl der Neumitglieder auf immerhin 65.

Die Entbehrungen der Gründerjahre

Die Entbehrungen der Gründerjahre

Dass unser Golfclub aus einem bäuerlichen Anwesen entstand, ist allgemein bekannt. Aber was bedeutete das in den Anfangsjahren konkret? Ein Blick in die Chronik von Heinz Rahmen zeigt, wie weit man im Gründungsjahr 1975 von den heute üblichen Annehmlichkeiten eines Golfclubs entfernt war. Der Clubraum für die ca. 20 Mitglieder befand sich im früheren Wohnraum der Bauersfamilie in dem damals graufarbenen Wohnhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende. Eine durchgesessene Couch, ein paar alte Sessel und einfache Holzstühle dienten als Sitzgelegenheiten und eine Kommode in demselben Raum als „Clubsekretariat“. Der muffige Geruch im Besucherzimmer, in dem neue Kunden akquiriert wurden, war eine ebensolche Herausforderung für die Sinne wie die Geräusche aus dem kaum isolierten Bad.
Doch scheint das rustikale Ambiente sowohl das Improvisationstalent als auch die Bescheidenheit der Urschmitzhofer gefördert zu haben. Legendär die unorthodoxen Eintöpfe von Kurt Löwy, der sich seine Kochkenntnisse beim Dienst auf einem U-Boot im Zweiten Weltkrieg angeeignet hatte. Dabei waren Eintöpfe das Sonntagsessen. Ansonsten hatte man meist die Wahl zwischen Fisch aus der Dose mit Senfsauce oder Fisch aus der Dose mit Tomatensauce.
Von Kurt Löwy, der in diesen Erinnerungen weiterlebt, ist auch der folgende Spruch über die ersten Jahre der Schmitzhofer überliefert: „Mer wore su ärm, dat unsere Müs de Trone in de Ore hotte“, auf Hochdeutsch „Wir waren so arm, dass unsere Mäuse die Tränen in den Augen hatten“. Wozu Heinz Rahmen trocken anmerkt, dass es im Clubhaus tatsächlich immer wieder Mäuse gab …


Ist das eigentlich alles Geschichte?
Ich meine nein, denn beim Lesen dieser Anekdötchen beginne ich zu verstehen, wieso unser Club so ist, wie er ist. Der Schmitzhof gehört ja nicht in die Kategorie „Schickimicki-Golfplatz“. Vielleicht liegt es daran, dass sich die bescheidenen Anfänge unseres Vereins in das kollektive Gedächtnis seiner Mitglieder eingebrannt haben und sie sich die Lust an Spiel und Spaß in Gemeinschaft, aber ohne viel Brimborium bewahrt haben.

Schmitzhof- ein Golfplatz im Wandel der Zeit

Schmitzhof- ein Golfplatz im Wandel der Zeit

An dieser Stelle gibt es einen Grund sich zu bedanken. Im Herbst letzten Jahres haben Uschi und Dieter Ernst mir Archivbilder des Schmitzhof aus ihrer “Schatztruhe” zur Verfügung gestellt. In der nächsten Zeit versuche ich diese Bilder chronologisch zu ordnen und in unserer Webseite hochzuladen.